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Saints Row
Preis: ca. EUR 60,-

Entwickler:
volition-inc

Erschienen bei:
THQ

Zuhälter umbringen, Drogenkuriere beschützen, Autos stehlen und ab und zu ein paar Waffen und Alkohol kaufen, so sieht der ganz normale Alltag aus, wenn man einer Straßengang beitritt, vorausgesetzt man befindet sich in Stilwater, der Stadt mit den unfreundlichsten Passanten der Welt.

"Saints Row" ist ein gelungenes Action-Spiel auf der Basis des GTA - Spielprinzip. Dass heißt, der Spieler schlüpft in die Rolle des unbekannten Hauptdarstellers, der in einer unbekannten Großstadt im bandenorganisierten Verbrechermilieu ganz nach oben will. Dazu muss er Ansehen und Respekt erlangen. Dies geschieht in erster Linie durch Aufträge, die auch den Hauptstrang der Story darstellen. Werden diese erfolgreich erledigt, steigt der Nachwuchs-Gangsta auf und die Aufträge werden schwieriger und komplexer. Dann gibt es noch zusätzliche freiwillige Aufgaben, die ebenfalls das Ansehen verbessern und vor allem Geld in die Kasse spülen. Dies ist wiederum notwendig, um coole Klamotten und Waffen zu kaufen, Autos aufzumotzen oder die Krankenhausrechnung zu bezahlen, wenn man sich bei einem Schusswechsel nicht schnell genug geduckt hat.
Wird die "Saints Row"-DVD zum Ersten Mal in die Xbox360 eingelegt, kann es nicht sofort mit dem Spiel losgehen, denn einen vorgefertigten Charakter gibt es nicht. Dieser muss zuerst mit Hilfe eines mächtigen Editors in Handarbeit erstellt werden. Da hier von der Länge der Augenbraue bis hin zum Muskel-Fett-Verhältnis des gesamten Körpers alles eingestellt werden kann, dauert dies erfahrungsgemäß etwas länger, macht aber Spaß und der Charakter sieht hinterher aber auch dem Spieler ähnlich oder ist wenigstens individuell. Nun folgt ein kurzer Einleitungsfilm und dann geht es auch schon los. Das Tolle an "Saints Row" ist, das man sich in der fiktiven Stadt Stilwater frei bewegen kann. Dort wo es vorgesehen ist, können dann auch Geschäfte, Bars oder andere Gebäude betreten werden.

Wer nicht gerne zu Fuß unterwegs ist, und das ist bei dem riesigen Areal auch leicht zu verstehen, klaut sich einfach ein Auto. Es gibt nicht nur unglaublich viele verschiedene Fahrzeuge, die vom motorisierten Dreirad bis hin zum ausgewachsenen Truck reichen, sie alle besitzen auch ein Schadensmodell und fahren sich unterschiedlich. Selbst das "um die Kurve Driften" funktioniert einwandfrei und ist neben dem enormen Spaßfaktor zum Abhängen der Polizei oder anderer Gangster absolut notwendig. Durch das Schadensmodell verändern sich die Fahrzeuge bei einer zu aggressiven Fahrweise, was mit Kratzern, Beulen und defekten Scheinwerfern beginnt und mit einem brennenden Autowrack enden kann Schon dies lässt erahnen, was für eine Energie die Entwickler von Volition in das Gameplay und die Grafik gesteckt haben. Die Grafik fällt sofort auf. Ist der Fernseher HD-tauglich oder wurde die Xbox360 an den PC-Monitor angeschlossen, dürfen die feinen Texturen der Gebäude mit dem kunstvollen Graffiti-Schmierereien bewundert werden. Die Schatten fallen perfekt, das Wasser sieht wie Wasser aus und das Mündungsfeuer der Waffen sowie die Explosionen können sich sehen lassen. Das große Spiel-Areal ist in verschiedene Stadtteile aufgeteilt, welche auch ohne Karte problemlos erkannt, voneinander unterschieden und auch wieder gefunden werden können. Lediglich etwas zu sauber und aufgeräumt kommt mir die ganze Stadt vor. Auf einem Röhrenfernseher kann "Saints Row" übrigens ebenfalls überzeugen. Neben der Umgebung gibt es noch einige interaktive Objekte wie Autos, Mülleimer, Zäune oder Passanten. Die Autos können benutzt und die anderen Objekte umgefahren oder umgestoßen werden. Bis auf die Passanten hat dies aber keinen Einfluss auf das Spiel. Die Passanten sind, wie zu Beginn schon erwähnt, super unfreundlich. Es ist unmöglich sich in Stilwater fortzubewegen, ohne massiv beschimpft zu werden. Wer nun denkt, da trete ich doch einfach mal zu, kann dies zwar tun, darf sich aber nicht wundern, wenn der Getretene plötzlich ein Brecheisen aus der Tasche zieht und unseren Spieler krankenhausreif prügelt. Dummerweise haben die Fußgänger auch ein Gedächtnis und erinnern sich an uns. Steigt der Bekanntheitsgrad zu arg, wird es nötig, einen Gesichtschirurgen aufzusuchen. Hier kann der eigene Charakter nach belieben neu gestaltet werden. Ansonsten verhält sich das Spiel genretypisch. Die Aufträge, die zum Weiterkommen in der Story notwendigerweise erledigt werden müssen, steigern ihren Schwierigkeitsgrad von Mal zu Mal, was auch auf die Verfolgungsjagden mit der Polizei zutrifft. "Saints Row" ist anspruchsvoll, da man aber an die Steuerung gut herangeführt wird, nicht zu schwer, jedenfalls am Anfang. Zudem können Die Spielstände abgespeichert und die Missionen wiederholt werden.

Die Steuerung ist gut gelungen. Obwohl so ziemlich jede Taste belegt wurde, bleibt sie übersichtlich und einfach zu bedienen. Eine Eingewöhnungszeit von weniger als 20 Minuten reicht zur intuitiven Bedienung vollkommen aus. Der Charakter kann Gehen, laufen, kurze Strecken sprinten, sich ducken, springen, auf Mauern klettern und eindrucksvoll zuschlagen und -treten. Zusätzlich steht zur Verteidigung bzw. zum Angriff ein umfangreiches Waffenarsenal zur Verfügung. Dies reicht von der Nahkampfwaffe wie dem Messer oder Baseball-Schläger über Pistolen, Gewehre bis hin zum Raketenwerfer. Besonders gut ist, dass fast jede Waffe auch aus dem Auto heraus benutzt werden kann, was bei Verfolgungsjagden wiederum nützlich ist. Nur mit der Munition sollte sorgsam umgegangen werden, da diese knapp bemessen ist.
Keine Mangelware ist die Hintergrundmusik, obwohl hier diese Bezeichnung fehl am Platz ist. Weit über 200 zum Teil aktuelle Songs stehen zur Verfügung. Das Spektrum reicht von Rock, Reggae, Metal über Klassik, Electro und Easy listening bis hin zum Hip-Hop, der auch am besten zu der Gesamtstimmung passt. Im Spiel kann ein Lied für 20 Dollar gekauft und auf einen MP3-Player übertragen werden. Das erstellen von Playlisten ist möglich und so trägt der Spieler immer seine eigene Lieblingsmusik mit sich herum. Wer alle Lieder haben möchte, müsste dafür ca. 4260 Dollar investieren, was den Schluss zulässt, dass es der Musikindustrie in Stilwater ziemlich gut gehen muss. Dann gibt es noch das Radio. In Stilwater können 12 Radiosender empfangen werden und in jedem Auto ist auch ein Radio eingebaut. Wenn mal keine Musik läuft, wird man über Sonderangebote und Aktionen informiert, die es in den entsprechenden Geschäften dann auch tatsächlich gibt. Wer gut englisch kann, ist bei "Saints Row" klar im Vorteil, denn das Spiel ist komplett in Englisch. Deutsche Untertitel und Menüs machen es aber auch für den nicht-Anglisten spielbar. Die Atmosphäre, die während des Spielverlaufes aufgebaut wird ist ebenfalls klasse. Ständig sind im Hintergrund Motorengeräusche, Sirenen und ab und zu auch Mündungsfeuer zu hören, was dann wieder von einem Passanten, der und gerade wieder anpöbelt übertönt wird. Gerade hier rundet die englische Sprache die Atmosphäre perfekt ab.

Diese Art von Spielen sind bekanntermaßen äußerst klischeehaft und ziemlich brutal. Damit "Saints Row" hier nicht indiziert wird, hat THQ in der deutschen Version ziemlich schneiden müssen. Es gibt keine blutenden Gegner und die Leichen verschwinden nach kurzer Zeit. Am schmerzlichsten ist, dass zwei ganze Missionen einfach entfernt werden mussten. Diese Zensur hat ebenfalls zur Folge, dass auch Xbox-Live betroffen ist. "Saints Row" ist nach "Quake 4" das zweite Spiel, in dem nicht gegen den Rest der Welt, sondern nur gegen die gleiche Spiel-Version angetreten werden kann. Dies wird noch schmerzlicher, da Xbox-Live auch wirklich gut gelungen ist. Es können Gangs gegründet werden, die sich dann im Stiel von Deathmatch bekämpfen. Sechs an das Spiel angelehnte Modi stehen insgesamt zur Verfügung, bei denen sich bis zu 12 Kriminelle mit- und gegeneinander bekämpfen können.

"Saints Row" ist ein Spiel, das sich nicht hinter der GTA-Reihe verstecken muss. Das Grundprinzip ist hier sehr ähnlich, das Besondere an "Saints Row" sind aber die vielen Nettigkeiten und Innovationen, mit denen das Spiel aufwartet. Da kann z.B. Geld mit Versicherungsbetrug erwirtschaftet werden, indem man sich vor ein Auto wirft oder sein Gewissen in einem Drive-Through-Beichtstuhl erleichtert werden. Die Stadt und somit das Spielfeld ist enorm groß und es ist möglich, sich hier frei zu bewegen, seine Handlungen selbst zu bestimmen und fast jedes Fahrzeug zu benutzen. Die Steuerung ist gelungen und die Track-Liste einfach beeindruckend. Aufgrund der Komplexität der Story und der vielen Haupt- und Nebenmissionen sowie der Implementierung von Xbox-Live und dem Systemlink ist der Spielspaß und die Langzeitmotivation bis auf weiteres sichergestellt.

Bernhard Prommer

Features:
Spieler 1
System-Link 2-12
Spielstände je 4MB
HDTV 480p/720p/1080i

Xbox-Live:
Online Multiplayer 2-12
Coop-Modus 2
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